Der Polierstein – vor 6.000 Jahren
Hier stehst du vor dem nördlichsten der De Holsteen-Steine. Siehst du die Rillen? Die sind nicht zufällig entstanden! Es sind Spuren von prähistorischen Bauern, die mit Hilfe der Felsgesteine ihre Feuersteinäxte schliffen. Deshalb nennt man sie Poliersteine. Die Bauern schliffen so lange, bis ihre Axt ganz glatt war. Damit konnte man dann Holz viel einfacher hacken.
Dieser Polierstein wurde offensichtlich sehr häufig verwendet. Er ist so abgenutzt, dass man noch heute, nach 6.000 Jahren, Spuren vom vielen Schleifen und Polieren finden kann …
Aufgabe
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Ein prähistorischer Polierstein
Zum ersten Mal wurde dieser Stein 1922 von Prof. J. Hamal-Nandrin und J. Servais von der Universität Lüttich als Polierstein benannt. Die auf der Steinoberfläche sichtbaren Rillen ließen die Entdecker zu dem Schluss kommen, dass es sich hierbei um einen Polierstein handelte, der in prähistorischen Zeiten zum Schleifen von Werkzeugen aus Stein gedient haben dürfte. Im Laufe der Jahre wurden rund um den Stein zahlreiche Ausgrabungen vorgenommen, jedoch wurden keine wirklich relevanten Spuren gefunden. Die Ausgrabungsarbeiten, die im Herbst 1987 von Dirk Huyge vom Labor für Urgeschichte der Katholischen Universität Löwen durchgeführt wurden, führten zu neuen Funden, die weiteren Aufschluss über die archäologische Vergangenheit des Steins gaben. In unmittelbarer Nähe des Poliersteins wurden etwa hundert prähistorische Artefakte gesammelt. Im Wesentlichen handelte es sich dabei um Feuersteinsplitter, von denen einige zu Pfeilspitzen verarbeitet wurden. Die meisten von ihnen gehören zu einer Jägersiedlung, die ungefähr 10.000 bis 7.000 Jahre alt ist. Diese könnten mit ähnlichen Fundstücken von der nahegelegenen Ausgrabungsstätte Kapelberg in Verbindung stehen.
Von größerer Bedeutung für den Polierstein war der Fund einer kleinen Absplitterung, die von einem polierten Gegenstand aus Feuerstein stammen dürfte. Solche polierten Gegenstände, Äxte und Meißel, wurden in unserer Gegend zwischen 4.300 und 700 v. Chr. verwendet.
Dieser Fund scheint den prähistorischen Nutzen des Poliersteins eindeutig zu bestätigen. Eine eingehende Untersuchung der Oberfläche ergab, dass der Stein nicht weniger als 52 Polierspuren aufwies, davon 51 Rillen und eine flache Polierspur. Es kann aus diesem Grund angenommen werden, dass auf dem Stein sowohl die Schneiden als auch die Kanten und Seitenflächen von Gegenständen aus Feuerstein geglättet wurden.
Als archäologisches Artefakt ist der prähistorische Polierstein von De Holsteen in Flandern einzigartig.
Polieren
Um die Schneide glatt und scharf zu machen, wird die Feuersteinaxt schräg auf dem Polierstein hin und her bewegt. So entstehen die linearen Rillen, die wir heute noch auf dem Stein sehen. ©Gemeente Zonhoven
Hörgeschichte
Orin: Ihr habt heute alle möglichen Dinge, die wir in früher nicht hatten. Denkt an Buntstifte, einen Becher Joghurt, ein Vlies. Aber was wir früher hatten, und was ihr nicht mehr habt, ist Geduld. Sehr viel Geduld. Schau dir diese Steine an, diese Rillen, die haben wir gemacht. Und wir, das sind die Kinder meiner Kinder und dort wiederum deren Kinder und wieder deren Kinder .... Versteht ihr? Viele Generationen der Familie Holsteens haben hier ihre Äxte geschliffen. Erinnert ihr euch, dass ich euch erzählt habe, dass wir unsere Speerspitzen aus Feuerstein herstellen. Nun, diese Generation von Bauern macht ihre Äxte aus demselben harten, scharfen Stein... (Geräuschkulisse von Vater und Sohn beim Schleifen von Steinen) Eine gute Axt herzustellen, ist eine Kunst, ein Handwerk, das vom Vater an den Sohn weitergegeben wird.
Orin: Von einem Stein wie diesem schlagen die Bauern Stücke ab, bis sie einen flachen, langen Felsbrocken haben. Den sie dann auf diesen großen Steinen polieren. (Geräuschkulisse klopf klopf klopf, aua, das war mein Daumen)
Vater: Mach ein bisschen Wasser und Sand auf den Stein, dann geht es leichter.
Vater: Das ist besser (Wassergeräusch) , jetzt den Stein so schräg halten und dann schleifen.
Sohn: Wie lange muss ich schleifen?
Vater: einen ganzen Tag
Sohn: oh ok!
Vater: und morgen wieder einen ganzen Tag.
Sohn: ah mmm
Vater: und übermorgen noch einen halben Tag.
Sohn: ah ... ja ...pff
Vater: und dann wird er fertig sein.
Orin: Jetzt noch einen Holzstiel rein, und unsere Axt ist fertig.
Vater: Mach diese große Axt besonders glatt und scharf, mein Sohn, und verziere den Stiel mit Kerben. Ich spüre, dass meine Tage gezählt sind, es wird nicht mehr lange dauern, bis ich sterbe. Du musst die Axt mit mir begraben, damit ich sie mit Stolz tragen kann, wenn ich ins Jenseits gehe. Ich werde unseren Vorfahren zeigen, dass du die Axt gemacht hast, damit sie wissen, dass ich einen starken Sohn habe, der die Familie Holsteen für die Zukunft beschützen wird. Die Götter werden dir wohlgesonnen sein.
Orin: Ich werde die schönste Axt für dich anfertigen.
Orin: An dieser Stelle werde ich mich von dir verabschieden. Ich gehe zurück zu meiner Familie und zu den Rentieren. Wenn du zum Ausgangspunkt des Spaziergangs zurückkehrst, wirst du sehen, wie sich die Axt im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat. Aber jetzt weißt du, woher sie ursprünglich kam. Und wer weiß, vielleicht steckt ja auch in der Axt in deinem Gartenhaus ein bisschen Magie. Und wenn du Steine magst und gern im Wald spielst, bist du vielleicht eine entfernte Tochter oder ein entfernter Sohn der Holsteiner, die hier vor Jahren auf den Spuren der Rentiere über die weiten Ebenen gezogen sind.